Ein digitales Fabrikmodell schuf die Grundlage für die belastbare Planung der gesamten Transformation. Aus dem Projekt entstand eine neue Arbeitsweise für die internationale Fabrikplanung.
Wenn klassische Planungswerkzeuge an ihre Grenzen stoßen
2019 startete NETZSCH Pumpen & Systeme ein umfassendes Transformationsprojekt am Standort Waldkraiburg. Ziel war es, die bisher auf drei Werke verteilten Bereiche in einer modernen Produktions- und Logistikstruktur zusammenzuführen.
Das Projekt erfolgte in zwei Phasen. Zunächst entstand eine neue Produktionshalle mit automatischem Hochregallager sowie Bereichen für Montage, Prüfung, Lackierung und Versand. Anschließend wurde die bestehende Komponentenfertigung Schritt für Schritt in ein Lean-orientiertes Layout überführt.
Die herkömmlichen Planungswerkzeuge erwiesen sich für die Anforderungen des Projekts als zu langsam und unflexibel. Jede Layout-Änderung musste zeitaufwendig durch interne Konstrukteure erfolgen, während die großen CAD-Dateien die Systeme an ihre Grenzen brachten. Für die laufende Transformation wurde dieser Prozess zunehmend zum Engpass.
„Wir wollten die Planung selbst in die Hand nehmen und unsere Ideen direkt umsetzen. visTable® hat uns dafür die ideale Plattform geboten – und noch vieles mehr.“

Ein digitales Fabrikmodell als Planungsgrundlage
Nach einer erfolgreichen Testphase stand die Entscheidung für visTable® fest. Das Team nutzte die Software zunächst für die Planung der neuen Produktionshalle. Schnell entwickelte sich das Tool jedoch zum zentralen Planungswerkzeug für das gesamte Vorhaben.
Anstatt in isolierten Dateien zu arbeiten, flossen Layouts, Materialflüsse, Kran- und Infrastrukturkonzepte in einem einzigen, gemeinsamen Fabrikmodell zusammen. Mit dem Input der Fachbereiche und von externen Fachplanern (Elektrotechnik, HLS, etc.) konnten Layoutvarianten in kurzer Zeit ganzheitlich und bereichsübergreifend ausgearbeitet werden.
„visTable® bringt alles zusammen – Layouts, Materialflüsse und Planungsvarianten auf einer gemeinsamen Planungsgrundlage.“

Eine Produktion Schritt für Schritt umziehen
Die eigentliche Feuerprobe folgte in Phase 2 des Projekts: dem schrittweisen Umzug der bestehenden Komponentenfertigung in ein Lean-orientiertes Layout. Mehr als 30 Maschinen mussten im laufenden Produktionsprozess verlagert und die zugehörige Infrastruktur erneuert werden, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden.



Hier zeigte sich der Wert der visuellen Planung: Das Team spielte unterschiedliche Umzugsszenarien und Bauabschnitte vorab digital durch. Mögliche Kollisionen und kritische Abhängigkeiten zur Gebäudetechnik wurden erkannt, noch bevor eine einzige Maschine angefasst wurde.
„Im Vergleichen verschiedener Layoutvarianten und beim schnellen Anpassen von Planungen ist visTable® richtig stark. Die geplanten Umzugsschritte wurden reibungslos umgesetzt. Das hat gezeigt, dass unsere Planung mehr als belastbar war.“

Aus einem Projekt wird ein neuer Planungsstandard
Durch die Einführung von visTable® konnte NETZSCH die Fabrikplanung eigenständig organisieren. Layouts, Varianten und Anpassungen werden heute direkt im Bereich Production Engineering erstellt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Das digitale Fabrikmodell verbesserte die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Bereichen. Varianten konnten schneller bewertet und Entscheidungen auf einer gemeinsamen Planungsgrundlage getroffen werden. Die Qualität der Diskussionen und Abstimmungen erhöhte sich deutlich.
Die im Projekt entwickelte Planungsmethodik wurde anschließend auf weitere Standorte übertragen. Heute wird visTable® neben Waldkraiburg auch in Brasilien, Indien, China und den USA für Fabrikplanungs- und Optimierungsprojekte eingesetzt.
„Die Planungsmethodik aus Waldkraiburg wird heute auch an unseren internationalen Standorten eingesetzt. Die digitale Fabrikplanung vereinfacht die standortübergreifende Zusammenarbeit und beschleunigt Planungsprozesse weltweit. Projekte können dadurch effizient virtuell umgesetzt werden – mit deutlich weniger Reiseaufwand.“

Ein Projekt macht Schule: Erst planen, dann umsetzen.
Am Standort Brasilien stand zunächst eine Hallenerweiterung zur Diskussion. Auf Basis der neuen Planungsmethodik wurde mit visTable® ein digitales Fabrikmodell und eine Materialflussanalyse erstellt. Daraufhin wurde das Vorhaben neu bewertet.

„Die Materialflussanalyse hat gezeigt, dass nicht zusätzliche Hallenfläche der größte Hebel war, sondern die Anordnung der Produktionsprozesse.“

Anstelle einer Hallenerweiterung entschied sich NETZSCH für eine grundlegende Restrukturierung. Die digitale Fabrikplanung schuf dabei die Transparenz, die für diese Investitionsentscheidung erforderlich war.
Für den US-Standort war vorgesehen, die Produktion und Eigenfertigung vor Ort zu stärken. Mithilfe der digitalen Fabrikplanung konnte ein Restrukturierungskonzept entwickelt werden, das die weitere Nutzung der bestehenden Halle für die kommenden Jahre ermöglicht und gleichzeitig den benötigten Flächenbedarf abdeckt. Auch hier lieferte visTable® die Grundlage für eine zukunftsweisende Investitionsentscheidung.
Ein Standardprozess für die Fabrikplanung
Mit der erfolgreichen Zusammenführung von drei Werken an einem Standort hat NETZSCH nicht nur eine komplexe Standortkonsolidierung erfolgreich umgesetzt. Das Projekt legte zugleich den Grundstein für eine neue Art der Fabrikplanung im gesamten Unternehmen.
Fabrikplanungs- und Optimierungsprojekte innerhalb der NETZSCH-Gruppe werden heute konsequent zuerst digital geplant, bevor sie umgesetzt werden – in Waldkraiburg ebenso wie an den internationalen Standorten.




