Was ist ein Spaghetti-Diagramm?

Spaghetti-Diagramme sind in der Lean Production bewährtes Instrument, um die Komplexität von Arbeitsabläufen transparent zu machen; speziell die Laufwege von Produktions- und Logistikpersonal. Denn allzu oft provozieren gewachsene Strukturen ungünstige Materialanstellung und damit Verschwendung durch unnötigen Transport und Leerwege. Die schnelle Visualisierung solcher Zustände mit einfachen Mitteln ist oft der erste Anstoß, um Verbesserungen zu inittieren. Aus diesem Grund erfreut sich das Spaghetti-Diagramm großer Beliebtheit bei Optimierungsprojekten vor allem in der Montage.

Beispiele für die Darstellung von Spaghetti-Diagrammen
Beispiele für die Darstellung von Spaghetti-Diagrammen

Vorgehensweise

Dem Lean-Ansatz folgend werden die meisten Spaghetti-Diagramme von Hand gezeichnet. Dazu verfolgt man den Laufweg einer Person und zeichnet die Wegabschnitte als Linien in ein zweidimensionales Layout ein. Dies tut man solange, bis der Arbeitsumfang einmal abgearbeitet ist. Bei größeren Arbeitsumfängen kann das schnell unübersichtlich werden, woraus sich der Name „Spaghetti-Diagramm“ erklärt.

Vorgehensweise zur Erstellung eines Spaghetti-Diagramms
Beispiel zur Erstellung eines Spaghetti-Diagramms in der Montage

Jedoch kann die Auswertung eines Spaghetti-Diagramms schnell Aufschluss zu Optimierungsfragen geben:

  • Wieviel Weg ist für einen Montagezyklus notwendig?
  • Wie gestaltet sich der Materialfluss?
  • Welche Wege würden eingespart, wenn man das Layout verändert?

Vor- und Nachteile von Spaghetti-Diagrammen

Der Hauptvorteil von Spaghetti-Diagrammen ist auch gleichzeitig ihr größter Nachteil: Sie lassen sich jederzeit ohne spezielle Hilfsmittel oder Software mit Papier und Stift erstellen. Diese „schlanke“ Vorgehensweise erschwert jedoch die Auswertung. Denn die mühsam erhobenen Daten sind nicht digital nutzbar. D. h. z. B. jeder Weg muss im Nachgang ausgemessen werden. Auch Daten für eine Materialflussanalyse sind nicht direkt abzuleiten. Es fehlt schlichtweg die Information, ob aufgezeichnete Wege nun mit oder ohne Materialtransport gegangen wurden. Darum werden Spaghetti-Diagramme häufig nachbearbeitet und angereichert.

Unterstützung durch Software?

Naheliegend ist daher die Idee, Spaghetti-Diagramme mit Hilfe von Software zu erfassen. So verspricht z. B. der Einsatz weit verbreiteter Office- oder Grafiksoftware wie PowerPoint, Excel oder Visio schnelle Ergebnisse. Hier wird die eigentliche Analyse jedoch zuvor auch mit Papier und Stift oder per Video nötig, da die genannten Werkzeuge nicht auf das Erfassen von Laufwegen direkt vor Ort ausgelegt sind. Ausschlaggebend für diese Art von Softwareeinsatz sind vielmehr die Editier- und Präsentationsmöglichkeiten; Nachteile der schlanken Papier-und-Bleistift-Methode sind damit praktisch nicht zu kompensieren.

Einige gehen sogar soweit, die Wege in der Produktion mittels Trackern automatisch mitzuloggen. Z. B. für Staplerfahrten im Lager scheint das im ersten Gedanken eine geniale Lösung zu sein. Schnell wird jedoch klar, dass der technische Aufwand dafür nicht unerheblich ist und man für diese Aufgabe auf das Know-How eines spezialisierten Dienstleisters zugreifen sollte. Zudem sind die automatisch erfassten Datenmengen nicht so einfach in eine so anschauliche grafische Form zu bringen, wie sie das Spaghetti-Diagramm von Haus aus mitbringt.

Beschäftigte einbeziehen!

Mit Software aus „Bordmitteln“ ist das im Spaghetti-Diagramm Visualisierte also i. d. R. weder effektiv noch effizient nachnutzbar. Dies erklärt auch, warum es den größten Nutzen in KAIZEN-Workshops entfaltet. Dort wird das Gezeichnete direkt nach der Erfassung mit den Beteiligten ausgewertet. Das Wissen um Randinformationen ist bei dieser Vorgehensweise noch frisch und man kann es sofort in Verbesserungsideen einbringen.

Dazu kommt noch ein rechtlicher Aspekt: In Logistik, Produktion und Montage stehen bei Spaghetti-Diagrammen oft die Wege von Beschäftigten im Fokus. Das Erfassen von Wegen mittels technischer Einrichtungen, also inkl. Video und Software, kann leicht Mitbestimmungsrechte berühren (§ 87 (1), Ziffer 6 BetrVG). Sobald man auch nur in die Nähe einer Verhaltens- oder Leistungserfassung gerät, ist das Einbeziehen des Betriebsrates Pflicht. Diesem Aspekt kann man durch manuelles Erfassen der Spaghetti-Diagramme begegnen.

Unabhängig davon ist nie von Nachteil, den Zweck von Spaghetti-Diagrammen ggü. Beschäftigten transparent zu machen.

Fazit

Das Prinzip der Spaghetti-Analyse ist einfach und eröffnet Zugang zu vielen Verbesserungsansätzen. Dennoch bedarf es entweder sofortiger Umsaetzung oder relativ aufwändiger Nacharbeit. Denn der Informationsgehalt des Spaghetti-Diagramms an sich ist bezogen auf den Analyseaufwand gering. Lediglich die Bewegungsspur von Transportmitteln i. w. S. lässt sich erkennen. Materialflussanalysen oder gar Intensitätsbetrachtungen für eine systematische Layoutoptimierung enstehen erst durch Anreicherung der Wegeaufzeichnung mit weiteren Informationen, z. B.

  • exakte Weglänge (hierzu bedarf es eines maßstäblichen Layouts);
  • transportiertes Material (Behälterart, Füllmenge, Inhalt, Leerweg).

Für diese Anreicherung wird häufig Office-Software genutzt. Jedoch ist diese für die Aufgabe gänzlich ungeeignet. Insbesondere mangelt es an Maßstäblichkeit und spezifischer Auswertungsfunktoinalität. Auch das Fehlen passender Vorlagen (Templates) deutet auf diesen Umstand hin.

Nutzt man das Wissen um Spaghetti-Diagramme jedoch für den Aufbau eines visTABLE®-Layouts, lassen sich daraus erstaunlich schnell Erkenntnisse gewinnen und in einer digitalen Planungsumgebung umsetzen.

Das Spaghetti-Diagramm zeigt Potenziale zur Optimierung von Laufwegen auf.
Beispiel für die Anwendung von Spaghetti-Diagrammen in visTABLE®

Wie ein Spaghetti-Diagramm in visTABLE® für die Montageplanung nutzbar gemacht wird, haben wir auch in einem kurzen Video zusammen gefasst.