Standortplanung: 6 entscheidende Faktoren

Für die meisten Unternehmen besteht an irgend einem Zeitpunkt die Notwendigkeit sich mit der Erweiterung oder Verlagerung seines Standortes auseinanderzusetzen. Vielleicht sind Lager oder Logistik aus den bestehenden Räumlichkeiten herausgewachsen und benötigen einfach mehr Platz. Vielleicht hat eine Standortanalyse ergeben, näher an den wichtigsten Kunden oder einem Distributionszentrum zu sein. Gegebenenfalls verfügt der aktuelle Standort nicht mehr über die erforderliche Infrastruktur, die Transportkosten sind zu hoch, eine nicht optimale Intralogistik und Lagertechnik, oder andere qualitative Standortfaktoren werden nicht mehr erfüllt.

Wenn Sie sich nicht tagtäglich mit diesen Fragestellungen beschäftigen, kann der Prozess der Verlagerung an einen neuen Standort besonders herausfordernd oder gar frustrierend sein. Was auch immer Ihre Gründe für eine innerbetriebliche Standortplanung im Einzelnen sein mögen, so helfen folgende Faktoren bei der Lösung der Aufgabe der Standortplanung.

Standortplanung Fabrikplanung visTABLE

Woher kommt der Impuls für die Wahl und Gestaltung des neuen Standort?

Es gibt viele Gründe eine Fabrik oder einen Logistikstandort zu verändern. Bereits das Wissen um den Auslöser impliziert Ideen und Fragestellungen für die Fabrikplanung, gerade dann, wenn Sie externe Beratung suchen. Welche betriebswirtschaftlichen Punkte erfüllt der derzeitige Standort nicht, welche Kriterien erachten Sie für notwendig. Gehen Impulse vom Kunden, von der Unternehmensführung oder dem Supply Chain Management aus. Sind Ihnen Beispiele aus der Industrie, Fachbüchern oder von Hochschulen bekannt. Gibt es bereits eine Vorauswahl optimaler Standorte, oder streben Sie eine Auswahl durch Berechnung von Standortfaktoren an und welche sind dies.

Welche Ziele verfolgt die Unternehmensführung mit der Standortplanung?

Hier sprechen Fabrikplaner und Berater häufig von einem Nordstern an den sich die innerbetriebliche Standortplanung ausrichten sollte. Großer Bedeutung dieser übergeordneten Ziele kommt in der Folge die Bewertung zur optimalen Lösung zu. Denn nur wer diese Zielsetzung vor Augen hat, kann ein Konzept für Logistik, Lager und Produktion entwickeln, Entscheidungen treffen und die Standortfaktoren bewerten. Messbare Ziele beeinflussen Lösungsansätze und Ergebnisse. Sie sollten ambitioniert sein, Chancen für Kreativität bieten,  für alle Beteiligten nachvollziehbar und jederzeit überprüfbar sein. Kein Unternehmen ist exakt wie das andere, jedes Management verfolgt andere Ziele. Gewichten Sie diese Ziele in dem Sie KPIs verwenden, die Sie dann beispielsweise einer Nutzerwertanalyse zuführen können.

Geben Sie Ihrem Projekt zur Standortplanung eine Struktur

Immer wenn Fabriken, Logistik, Lager und Produktion in einer innerbetrieblichen Standortplanung optimiert werden sollen, resultieren komplexe Veränderungsprojekte. Um diese Projekte erfolgreich zu gestalten, den Standort ein optimales Layout zu geben oder die Logistikplanung handhabbar zu machen, sollte das Projekt in Phasen gegliedert werden. Man kann sich hierbei an allgemeinen Vorgehensmodellen der Fabrikplanung orientieren. An Hochschulen und in der Literatur finden sich viele Beispiele.

„Planen Sie schon einmal eine neue Halle mit 7.000 m². Wenn das Gebäude steht, kümmern wir uns um das notwendige Produktionslayout.“

Mit einer solchen Herangehensweise wird kein Projektverantwortlicher zufrieden sein. Entweder die Halle ist überdimensioniert und teuer, oder das Ergebnis der Layoutplanung entspricht nicht den Zielen der innerbetrieblichen Standortplanung. Erfahrungsgemäß beschreibt ein Konzept 80 % der gesamten Life-Cycle-Kosten der späteren Fabrik oder Produktionsstätte. Grob lassen sich Projekte zur Standortplanung in folgende Phasen unterteilen:

  • Idee
  • Konzeption
  • Planung
  • Realisierung
  • Konsolidierung

Die Beschaffung neuer Anlagen, Maschinen, oder der Auftrag zur Auswahl eines neuen Logistikzentrums basiert auf Entscheidungen in vorgelagerten Projektphasen. Daher kommt diesen frühen Phasen eine hohe Bedeutung zu. Niemand, auch keine Beratung, hat die Möglichkeit alle Lösungsvarianten durchzuspielen. Betriebswirtschaftler entscheiden auf Basis vorgelagerter Arbeit, deren Ziele, anhand deren KPIs und durch Zustimmung aller Stakeholder.

Die Planung eines Standorts ist nur durch ein Team zu bewältigen

Die Qualität der Lösung hängt sehr stark von der Kompetenz und der Erfahrung der Teammitglieder ab. Erst wenn Kompetenzen und Erfahrungen fehlen, sollten sie außerhalb des eigenen Unternehmens eingeholt werden.

Auch Tools, die für die Planung und Optimierung eines Standorts zugeschnitten sind, helfen beim Aufbau von Kompetenzen und Schließen von Wissenslücken. Sie benötigen nicht von Beginn an in allen Bereichen einen Experten. Idealerweise verhelfen Tools die Mitarbeiter eines Unternehmens mit wachsenden Aufgaben sich zu Experten zu entwickeln. Geben Sie Ihren Teams auch die Freiheit zum Lernen.

In kleineren Teams verlaufen Diskussionen zu Anforderungen, Rahmenbedingungen, Chancen, Risiken, Kosten- und Nutzenbewertungen zu Lager, Logistik und Transportkosten für den Standort übersichtlicher. Den Abschluss einer jeden Phase der innerbetrieblichen Standortplanung bildet die Entscheidung, welche im Team getroffen wird.

Illustration zur Standortplanung einer Fabrik im Team

Wählen Sie eine Vorgehensweise, die durch Ihre Teams auch umgesetzt werden kann

Es ist für Teammitglieder demotivierend, wenn sie Details bereits bearbeiten sollen, während der Masterplan dafür noch nicht steht. Noch problematischer wird es, wenn im Team keine Möglichkeit besteht, ein gemeinsames Bild dieses Masterplans zu erhalten. Es empfiehlt sich, den jeweiligen Projektphasen die geforderte Genauigkeit und Toleranz der Ziele, Zahlen und Fakten anzupassen. Für keine der Aufgabenstellungen gibt es nur die eine ideale Lösung, sondern eine Vielzahl an Lösungsoptionen.

„Ich soll das Distributionszentrum ausplanen, aber die Kollegen der Produktion können uns noch kein grobes Produktionslayout zeigen.“

Geben Sie Ihrem Team die Möglichkeit ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Oftmals ist dies ein Layout, anhand dessen Alternativen skizziert, bewertet, verglichen und zur weiteren Detaillierung ausgewählt werden. Die Vorgehensweise sollte vom Groben zum Feinen erfolgen. Ihre Tools sollten dem gewachsen sein und nicht bereits in frühen Phasen höchst detaillierte Daten erfordern, die zu diesen Zeitpunkten in dieser Genauigkeit noch nicht vorliegen können. In der Konzeptphase ist es wenig zielführend, Fertigungslinien sekundengenau auszutakten, wenn an anderer Stelle der Transportaufwand noch um 50 % zu hoch ist.

Wer trifft die Entscheidungen für das Unternehmen?

So trivial es klingen mag, aber in der Standortplanung sind in jeder Phase immer und immer wieder Auswahlen zu treffen. In jeder der Phasen entstehen mehrere Lösungsoptionen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es nicht sinnvoll alle Optionen über alle Projektphasen der Standortplanung durchzuplanen. Es muss möglich sein, getroffene Beschlüsse bei besserer Erkenntnis und Datenlage zu ändern. In der komplexen Layoutplanung ist dies völlig normal und stärkt das Projektteam.

Die Basis hierfür ist die vorab beschriebene Vorgehensweise und der Einsatz passender Tools, die diese Variantenvielfalt handhabbar macht. Binden Sie die Betroffenen in diese Entscheidungen ein, etablieren Sie ein Change-Management. Standortplanung führt immer zu Veränderungen. Veränderung ist Führungsverantwortung.

Fazit

Die Planung eines neuen Standorts kann einer der aufwändigsten Prozesse sein, da es eine sehr große Anzahl – wenn nicht gar alle – Bereiche des Unternehmens betrifft. Jede Abteilung hat andere Belange, Anforderungen und etablierte Arbeitsabläufe, die sie im Laufe der Zeit perfektioniert hat. Die Neugestaltung eines optimalen Standorts ist eine Chance diese Prozesse und Strukturen nachhaltig zu verbessern. Stellen Sie daher nicht einfach einen fertigen Plan in einem Sitzungssaal zusammen und gehen Sie davon aus, dass er funktionieren wird. Die Standortplanung ist einer der Aufgaben, bei dem Sie eng mit jenen Menschen vor Ort zusammenarbeiten sollten, die die Wertschöpfung in ihren Produktions- und Logistikprozessen erbringen.

„Es gibt nur eine Sache, die potenziell frustrierender ist als ein unstrukturierter Umzug an einen neuen Standort: Alles ein zweites Mal in Ihrem neuen Standort einrichten zu müssen, weil Sie vorher kein solides Konzept erarbeitet hatten oder sich nicht die Mühe gemacht haben, mit Ihrem Team darüber zu kommunizieren.“

Der Erfolg Ihrer Standortplanung basiert auf den Erfolgsfaktoren Impuls, Zielsetzung, Struktur, Teamwork, Vorgehensweise, Entscheidungsfindung, macht den Prozess beherrschbar und minimiert Risiken.

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André Heller
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